Die Zeit am Fenster

Die Zeit am Fenster

Es gibt so eine Sache, die ich nicht so richtig nachvollziehen kann. Also ich bin jetzt kein Vielflieger oder so – nur wenn ich schon in so einer fliegenden Aluröhre sitze, dann doch gern am Fenster 🙂

Wenn man sich schon zwei spannenden Effekten in Bezug auf die Zeit aussetzt, dann doch gerne mit einer schönen Aussicht. Ich muss wirklich sagen, im Flugzeug sitze ich möglichst immer am Fenster. Nur fliegen mit dem Blick in den Gang oder so, das ist nichts für mich. Jaaaa man kann lesen oder so oder der Flugzeugcrew beim geschäftigen Hin-und-herschieben von irgendwelchen Wägelchen zusehen – der Blick hinaus mit einer Perspektive, die vor 130 Jahren noch gar nicht möglich war, lässt mich dann meistens alle Alltagsdinge und die Zeit vergessen. Das Gefühl am Anfang eines jeden Fluges ist meistens ein bisschen ambivalent – irgendwie klein gegenüber der weiten Welt und irgendwie verrückt, dass wir das so erleben können. Einfach in ein Flugzeug steigen und aus einer Perspektive mit der vielfachen Höhe eines freien Vogels hinunter auf die Welt schauen – wirklich verrückt. Und sich über den Wolken befinden, wo doch die Freiheit grenzenlos sein soll. Wie viele Menschen auf der Welt können das eigentlich nicht? Es ist schon ein sehr großes Privileg, wenn man sich die (aktuellen) Ereignisse und die Entwicklung der kapitalgetriebenen Menschheit in den letzten Jahren anschaut. Meistens weichen die rationalen Gedanken nach kurzer Zeit einfach der Faszination des Augenblicks und ein wenig kleinen philosophischen Träumereien – vor allem wenn das Licht noch Spannung in die Szenerie zaubert. Auf jedem Flug wird mir klar, dass ich an unendlich vielen Orten bzw. Punkten auf dieser Welt nie gewesen sein werde – heute nicht und auch in der begrenzten Zeit für die Zukunft nicht. Ein immer wiederkehrender Gedanke, wenn ich auf Reisen bin. Die Welt ist zu groß für uns, zu groß für unseren Verstand. Umso mehr bin ich froh über diese Momente, in denen die Welt unter mir vorbei zieht und ich doch Dinge sehen kann, die mir eigentlich verborgen geblieben wären.

Die Zeit selbst ist ein kleines Faszinosum – zum Einen vergeht sie schneller, wenn man sich von einem Massezentrum (in diesem Fall der Erde) entfernt. Also in 8 oder 10 km Höhe vergeht die Zeit minimalst schneller als am Boden. Diesem Effekt steht gegenüber, dass die Zeit in einem sich schnell bewegenden Objekt langsamer vergeht. Also mit 800 – 1000 km/h Reisegeschwindigkeit in so einer Aluröhre vergeht die Zeit ein gaaaanz gaaaanz kleines bisschen langsamer. Für uns als Organismus hat dies keine Relevanz, es ist eine Gedankenspielerei – nur ein wenig höher aber sind z.B. die Satelliten für GPS auf Kompensation dieser Abweichungen angewiesen, damit sie ordnungsgemäß funktionieren und uns möglichst genau an die Orte bringen, an denen wir sonst möglicherweise nie gewesen sein wären.

Und nun noch ein bisschen Zeit am Fenster 🙂

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